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Viele Fragen zum Ukraine-Krieg

Der im Februar 2022 begonnene Krieg Russlands gegen die Ukraine hat weltweit tiefgreifende Erschütterungen ausgelöst, und noch immer ist ein Ende der Kämpfe und eine politische Lösung des Konflikts nicht abzusehen. Mit dem Angebot des „kommunalpolitischen forums“ Brandenburg e.V., zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung mit Stefan Bollinger anzubieten, der sich als Historiker, Politikwissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher unter anderem auch intensiv mit der Geschichte der Ukraine beschäftigt hat, war am 12. September im Panketaler Rathaus ein profunder Kenner als Gesprächspartner aufgeboten.
Das sahen auch die über 50 Besucherinnen und Besucher so, die an diesem Abend gekommen waren, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Nach einem Abriss über die wechselvolle Geschichte in diesem Teil Osteuropas, von der Kiewer Rus im Hochmittelalter bis ins 21. Jahrhundert, ging Stefan Bollinger auf Fragen und Positionen des Publikums ein. Es ist der Komplexität dieses Gegenstandes geschuldet, dass die angesprochenen Themen sehr unterschiedlich waren. Es ging, um nur einige Beispiele zu nennen, von dem Einfluss der Neocons auf die US-Administration zur Sicherung der weltweiten Vormachtstellung der USA, die Frage nach einer eigenständigen außenpolitischen Position der europäischen Staaten, die in den Massenmedien vorgenommene moralisierende Aufladung des Konflikts in eine Gut-Böse-Polarität, die Interessen und das dahinter liegende Welt- und Russlandbild Putins, die Frage nach der Haltung der deutschen Unternehmen in dem Wirtschaftskrieg mit Russland bis hin zu der zentralen Frage, welche Wege es gibt, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden.

In Bezug auf die Einordnung des Krieges und die Interessen der verschiedenen politischen Akteure bei der geopolitischen Neuordnung der Welt machte Bollinger deutlich, dass auch Russland ein Land ist mit imperialen Ambitionen. Wir würden uns derzeit, so seine Einschätzung, in einer Epoche imperialistischer Kämpfe zur Neuaufteilung der Welt befinden.

Mit Bedauern wurde von mehreren Anwesenden registriert, dass die Linke ihrer Meinung nach paralysiert ist und sich mit ihr die gesamte Friedensbewegung schwertut, adäquat auf diesen Krieg zu reagieren und mit massenpolitischen Aktionen gegen die sozialen und ökonomischen Verwerfungen sowie die verfehlte Militärpolitik der Bundesregierung anzugehen.

Es war ein ausgesprochen informativer Abend, an dem alle klüger nach Hause gegangen sind, als sie gekommen waren. Unabhängig davon, dass mit dem zweieinhalbstündigen Austausch nicht möglich ist, alles in der nötigen Tiefe zu ergründen, ist bei Vielen eine gewisse Ohnmacht zu spüren, diesem Geschehen gegenüber ausgeliefert zu sein, sowohl was  die Entscheidungen der Kriegsgegner als auch die von der deutschen Regierung beschlossenen Maßnahmen betrifft.
Lothar Gierke