von Lutz Grieben
Am 08. Mai führte die Ortsgruppe der Partei DIE LINKE. am Mahnmal im Goethepark (Röntgental) eine Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer des zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Herrschaft durch.
Ein Gewohnheitsritual? Sind solche Zeremonien noch zeitgemäß, was soll damit bewirkt werden? Nur wenige (betagte) Mitbürger haben den Krieg persönlich miterlebt. Die Wunden und Narben sind langsam verheilt. Die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus ist überwunden, wir leben in einer Demokratie. So weit auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick wird man sich jedoch nicht der Frage entziehen können, ob es tatsächlich keine Kriege mehr gibt und keine Gewaltherrschaft. In Afghanistan soll irgendwie die Freiheit Deutschlands mit militärischen Mitteln verteidigt oder/ und erzwungen werden. In Lybien werfen NATO-Flugzeuge (also dem Militärbündnis, welchem auch Deutschland angehört) Bomben ab, führen also Krieg, ohne dass dieser irgendwie rechtlich nachvollziehbar ist.
Die USA, als „Führer“ der westlichen Welt sperrt über Jahre Menschen ein, ohne ihnen eine Schuld nachweisen zu können, geschweige denn ihnen einen rechtsstaatlichen Prozess zu machen. Hoch gerüstete Einsatzkommandos fallen bei Nacht und Nebel in fremden Staaten ein, töten Unbewaffnete und versenken den Leichnam im Meer.
Kann man im Hinblick hierauf immer noch behaupten, dass der Krieg überwunden sei und es keine Gewaltherrschaft mehr gibt? Die Gedanken zum Gedenken beziehen sich also nicht nur auf die Opfer vergangener Kriege, sondern auf die nach wie vor aktuelle Frage den Krieg generell aus dem Leben der Menschheit zu verbannen. Die Gedanken des Gedenkens an die Opfer der Gewaltherrschaft beziehen sich also vorrangig nicht nur auf vergangene Staatssysteme, welche ohne Rechtsgrundlage Menschen einsperrten bzw. töteten, sondern verpflichten ganz aktuell derartige Missstände aufzudecken und anzuprangern, dass auch heute immer noch (im Namen der westlichen Werte) grundlegende Menschenrechte massiv verletzt werden.
Das Gedenken am 8. Mai ist daher kein althergebrachtes Ritual, sondern vielmehr die aktuelle Forderung sich Gedanken zu machen.
L. Grieben
Schwanebeck