10. Mai 2017

"Bleiben wir wachsam zur Verteidigung von Demokratie und Frieden!"

Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung

Lutz Grieben, stellv. Sprecher der BO der LINKEN und Schwanebecker Ortsvorsteher, legt ein Blumengebinde am Denkmal nieder.

Traditionell lud die Ortsgruppe der LINKEN Panketals auch in diesem Jahr zum 8. Mai zu einer Kranzniederlegung am Denkmal im Goethepark ein.
Lothar Gierke, Sprecher der Basisorganisation der Partei, hielt die Gedenkrede. Zu Beginn stellte er fest, dass der 8. Mai 1945 eine Zäsur in der Geschichte Deutschlands darstellt. „Für das deutsche Volk war es ein Tag der Befreiung“, betonte er. „Und zwar unabhängig davon, ob dieser Umstand von dem Einzelnen subjektiv so begriffen wurde oder nicht. Es war eine Befreiung in mehrfacher Hinsicht. Deutschland wurde befreit von einer verbrecherischen Gewaltherrschaft und damit von einem Terrorregime, in dem die Ideologie des arischen Herrenmenschen, Rassenwahn, Hass auf andere Menschen und Völker nicht nur die Herrschenden getrieben hat, sondern die tief das alltägliche Handeln der Menschen eingedrungen ist.“ Zugleich war dies für die deutsche Bevölkerung auch eine Befreiung vom Zwang, den Eroberungskrieg weiter fortzusetzen und sich an Kriegsverbrechen, Völkermord und Unterdrückung zu beteiligen.

Die historische Dimension des Krieges werfe noch immer und immer wieder neue Fragen auf, darunter jene für das politische Handeln von heute. Seiner Ansicht nach war das militärische Eingreifen Deutschlands im Jugoslawienkrieg ein Tabubruch bei der Mitwirkung zur Lösung militärischer Auseinandersetzungen. Bis heute sei „der Einsatz militärischer Mittel eine zentrale Komponente deutscher Militär- und Außenpolitik.“ Die ökonomische Kraft Deutschlands ist groß genug und bedarf einer militärischen Sicherung von Handelswegen und Rohstoffen nicht. Genauso wenig wie Einsätze von Bundeswehrsoldaten außerhalb des Bundesgebietes. „Angesichts der Geschichte zweier Weltkriege im vorigen Jahrhundert wäre eine Kultur der militärischen Zurückhaltung für Deutschland das Näherliegende“, zeigte sich der Redner überzeugt.

Er erinnerte daran, dass die Sowjetunion die Hauptlast und die größten Verluste im 2. Weltkrieg zu tragen hatte. Unverständlich sei umso mehr der Aufbau eines Feindbildes gegen Russland. „Europa braucht keine militärische Aufrüstung an der NATO-Ostgrenze. Die Zuspitzung der Beziehungen zu Russland ist kontraproduktiv. Was vonnöten ist, das ist ein gemeinsames europäisches Sicherheitskonzept unter dem Dach der OSZE, bei dem Russland gleichberechtigt einbezogen wird“, betonte Gierke.

Zum Nachdenken am Tag der Befreiung gehöre auch das Begreifen dessen, was Faschismus ist und wie ihm entgegengetreten werden kann. Leider zeigten sich in unserem gesellschaftlichen Klima zunehmend fremden- und ausländerfeindliche Auffassungen. Es werde deutlich, dass der politische Wille zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus in diesem Land eher halbherzig betrieben werde.

Abschließend rief er dazu auf, an diesem Tag zurück in die Geschichte zu schauen, um „ein größeres Verständnis für das Hier und Heute zu erhalten. Bleiben wir wachsam gegenüber den Gefährdungen der Demokratie und des globalen Friedens!“
(s. a. Wortlaut der Rede)

Denkmal für die Opfer des Hitlerfaschismus
Lothar Gierke hielt die Gedenkrede.